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Gemeinsam gegen Spielmanipulation

#spielkeinfalschesspiel

HINTERGRUND

 
Fußball soll fair, attraktiv, ehrlich und spannend sein. Fußball kann aber nur dann spannend sein, wenn niemand vorher weiß, was in den 90 oder mehr Minuten eines Spiels passieren wird. Nur wenn das so bleibt, kann Fußball auch weiterhin Woche für Woche Millionen Menschen in den Stadien, auf den Sportplätzen und an den Bildschirmen begeistern. 
Die Unbeeinflussbarkeit des Spiels und die Unvorhersehbarkeit seines Verlaufs und Ausgangs sind daher der Kern des sportlichen Wettbewerbs, den es unbedingt zu schützen gilt. Spielmanipulationen gefährden die Integrität des Wettbewerbs und untergraben die Glaubwürdigkeit des Sports, der Spieler und der Schiedsrichter. Sie zerstören einen fairen sportlichen Wettkampf. 
 
Bereits 2012 haben DFL und DFB mit dem Start des Projekts „Gemeinsam gegen Spielmanipulation - Spiel kein falsches Spiel!“ ihre Präventionsmaßnahmen gebündelt und auf vier verschiedene Säulen gestellt. Ziel des Projekts ist es, alle, die im Fußballbereich aktiv sind, frühzeitig und vorbeugend über die von Spielmanipulationen und Spielsucht ausgehenden Gefahren zu informieren und aufzuklären. Zum Umgang mit Spielsucht finden sich Hilfsangebote und Informationen unter der Rubrik Ansprechpartner und auf den Seiten der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.check-dein-spiel.de
 
Zu Beginn des Projekts standen vor allem die Information und Aufklärung der Nachwuchsspieler im Mittelpunkt, erstreckt sich die Schulungspflicht seit der Spielzeit 2018/19 auch auf Lizenzmannschaften der Bundesliga und 2. Bundesliga. Seit der Spielzeit 2020/21 besteht für Mannschaften der 3. Liga sowie für die Google Pixel Frauen- und 2. Frauen-Bundesliga sowie für die Spieler*innen der Virtual Bundesliga Club Championship by WOW ebenfalls eine Schulungspflicht. 
 
Informationen zu den Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit den Wettbewerben im eFootball von DFL und DFB finden Sie hier

 

Spielmanipulation 

 
Grundsätzlich sind zwei Arten von Spielmanipulation zu unterscheiden: Die sportbezogene und die wettbezogene Manipulation. 
 
Sportbezogene Spielmanipulation 
Bei der sportbezogenen Spielmanipulation geht es um die wettbewerbswidrige Einflussnahme auf den Verlauf bzw. den Ausgang eines berufssportlichen Wettbewerbs zugunsten des Gegners, um sich oder anderen einen Vorteil zu verschaffen. Ausgenommen sind Handlungen, mit denen ausschließlich ein spielbezogener sportlicher Vorteil angestrebt wird (z.B. absichtliches Foulspiel). Diese können aber als unsportliches Verhalten nach der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sanktioniert werden. 
Die Motive für eine sportbezogene Manipulation können sportlicher Natur (z.B. Aufstieg, Nichtabstieg, Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, leichterer nächster Gegner als Folge eines absichtlich verlorenen Spiels) oder auch finanzieller Natur sein. Es besteht jedoch kein Bezug zu einer Wette. Sportbezogene Spielmanipulationen sind nicht nur sportverbandsrechtlich sanktionierbar, sondern können auch eine Straftat nach § 265d Strafgesetzbuch (StGB) sein. Nähere Informationen zu den relevanten Rechtsgrundlagen gibt es hier
 
Wettbezogene Spielmanipulation 
Sportbezogene Spielmanipulationen stellen jedoch nicht das größte Problem dar. Die weitaus größere Gefahr kommt nicht aus der Welt des Fußballs. Sie geht vielmehr von Netzwerken organisierter Kriminalität außerhalb des Fußballs aus, die versuchen, Spieler, Schiedsrichter, Trainer oder Funktionäre dazu zu bringen, Spiele zu manipulieren, um damit auf dem Wettmarkt große Gewinne zu erzielen. Hierfür nehmen sie all diejenigen ins Visier, die den Verlauf eines Spiels direkt oder indirekt beeinflussen können, und üben zum Teil erheblichen Druck auf diese Personen aus. Eine derartige Einflussnahme auf den Verlauf bzw. den Ausgang eines Spiels, um Gewinne mit entsprechend getätigten Wetteinsätzen zu erzielen, wird als wettbezogene Manipulation bezeichnet und ist als Sportwettbetrug nach § 265c Strafgesetzbuch strafbar. 
Grundsätzlich können jede Sportart und jede Spielklasse betroffen sein. Da in Deutschland mit Abstand die meisten Sportwetten auf Fußballspiele platziert werden, ist hier auch die größte Vorsicht geboten. Auch aus diesem Grund wird die Prävention von Spielmanipulation vom DFB und von der DFL gemeinsam für den deutschen Fußball sehr ernst genommen. 
 

Sportwetten 

 
Die weltweite Popularität des Fußballs wird von Sportwettanbietern für eigene Geschäftszwecke genutzt. Der Markt für Sportwetten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und mittlerweile ein Milliardengeschäft. Wetten auf Fußballspiele sind besonders beliebt. Inzwischen werden mit Wetten auf den deutschen Fußball weltweit etwa 40 Mrd. Euro pro Spielzeit umgesetzt. 
Wichtig ist, dass es nach § 1 Nr. 2 und 3 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB Spielern, Trainern, Funktionsträgern und Schiedsrichtern untersagt ist, Wetten auf Spiele der eigenen Mannschaft oder auf Spiele der Wettbewerbe, an denen die eigene Mannschaft teilnimmt, zu platzieren. Dies gilt auch für Wetten auf Spiele oder Wettbewerbe, an denen andere Mannschaften des eigenen Clubs teilnehmen (z.B. Jugendmannschaften, Zweite Mannschaften). Darüber hinaus darf man auch Dritte (z.B. Familie, Freunde oder Bekannte) nicht darum bitten, solche Wetten für einen selbst abzuschließen. Des Weiteren ist nach dem Jugendschutzgesetz und dem Glückspielstaatsvertrag die Teilnahme an (Sport-)Wetten (und an allen anderen Arten von Glücksspielen) für alle unter 18-Jährigen verboten. 
 

Spielsucht 

 
Wie hängen Glücksspielsucht und Spielmanipulation zusammen? Menschen, die an Glücksspielen teilnehmen, werden zwar nicht sofort spielsüchtig. Doch es kann vorkommen, dass jemand nach den ersten Gewinnen denkt, das Glück im Griff zu haben, vielleicht sogar ein besonderes Können oder Wissen zu besitzen, als Fußballer insbesondere bei Fußballwetten. Dieses Phänomen wird als sog. „Kontrollillusion“ bezeichnet. Durch wissenschaftliche Studien ist bewiesen, dass besondere Kenntnisse und Erfahrungen als (Profi-)Fußballer keinen Einfluss auf ein erfolgreiches Abschneiden bei Sportwetten haben. Fußballwetten im Besonderen und Sportwetten im Allgemeinen sind und bleiben Glücksspiele. Hat man erst einmal Geld verloren, besteht die Gefahr, Einsätze zu erhöhen, häufiger zu spielen, vielleicht sogar noch mit geliehenem Geld. Die Benutzung von Apps diverser Wettanbieter und die Teilnahme an Live-Wetten intensiviert diesen Effekt, da eine Wette sehr einfach jederzeit und an jedem Ort platziert werden kann. So können Schulden und Abhängigkeiten entstehen. 
Die Wenigen, die den Fußball und die Fußballwetten zu ihrem eigenen Vorteil missbrauchen, indem sie ein Sportereignis manipulieren, wissen das. Für einen Wettbetrug benötigen Einflussnehmer immer jemanden innerhalb des Fußballs (z.B. Spieler, Trainer, Schiedsrichter), den sie einbeziehen müssen, um zum Beispiel das gewünschte Spielergebnis bzw. -ereignis herbeizuführen. Als Gegenleistung wird z.B. Geld versprochen oder Spielschulden erlassen. Die Aussicht darauf mag zwar verlockend sein. Doch wer sich auf ein solches Angebot einlässt, wird selbst zum Spielball und Verlierer. Es entsteht ein Teufelskreis. Um ihn zu durchbrechen, ist Hilfe von außen notwendig.